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Einleitung

Das Thomasevangelium ist eine Sammlung von Jesusworten, kurzen Szenen, die in einem Jesuswort gipfeln, und Dialogen. Diese sind ohne erzählerischen Rahmen und ohne erkennbares Ordnungsprinzip lose aneinandergereiht. Passions- und Auferstehungsgeschichten fehlen, so dass diese Schrift der Gattung nach kein Evangelium ist.
Sie gehört zu den so genannten "Apokryphen", die nicht in den Kanon des Neuen Testaments aufgenommen wurden. Den Kirchenvätern (Hippolyt, Eusebius, Origenes) wurde sie erst im 2. Jahrhundert bekannt. Sie ordneten sie dann den gnostischen oder manichäischen Schriften zu, lehnten sie also aus theologischen Gründen ab. Als deuterokanonische Schrift wird sie jedoch in manchen Bibelausgaben abgedruckt.
Das Thomasevangelium enthält eine eigenständige Theologie, die weder nur aus dem Neuen Testament noch aus dem Gnostizismus hergeleitet werden kann. Seine Herkunft ist umstritten, da es sowohl aus dem NT bekannte als auch völlig unbekannte Jesusworte enthält.
Eine andere, nicht mit dieser Spruchsammlung zu verwechselnde apokryphe Schrift ist das Kindheitsevangelium nach Thomas.

Entstehung
Das Thomasevangelium war lange Zeit verschollen und nur aus Notizen einiger Kirchenväter bekannt: Hippolyt von Rom erwähnte es vor 235 n. Chr. erstmals.
1897 und 1903 fand man in Oxyrhynchus (Ägypten) einige Papyrusfragmente mit griechischen Texten, deren Herkunft und Zusammenhang man nicht genau zuordnen konnte. Man datierte ihre Entstehung auf etwa 200 n. Chr. (zuletzt H.-Ch. Puech 1952).
Erst 1946 fand man unter den 13 Buchrollen von Nag Hammadi in Ägypten einen vollständigen koptischen Text von 114 Logien, als "Evangelium nach Thomas" unterschrieben (heute in Kairo aufbewahrt). Er wurde auf etwa 400 n. Chr. datiert, hat aber wohl eine wesentlich ältere Vorlage gehabt: Denn nun konnten die älteren Fragmente als Bestandteil eines griechischen Thomasevangeliums identifiziert werden. Der koptische Text wird als Übersetzung der griechischen Vorform angesehen, die aber wegen einiger Abweichungen eine längere Entwicklung durchlaufen hat.
Wegen zahlreicher Parallelen nehmen viele Forscher an, dass der Autor die synoptischen Evangelien gekannt haben muss, sein Werk also nach diesen entstanden ist. Sie datieren die Urform auf 150-180 n. Chr. Andererseits enthält der Thomastext auch Jesusworte, die einen sehr alten Eindruck machen und sogar zeitgleich mit der Spruchsammlung Q entstanden sein könnten. Für eine frühe Entstehung sprechen 13 Doppelparallelen zum Markusevangelium und "Q"; diese werden zu den ältesten Sprüchen gezählt und könnten mit einiger Wahrscheinlichkeit auf Jesus selbst zurückgehen.
Darum datiert zum Beispiel Nordsieck in seinem 2004 erschienenen Kommentar den vollständigen Text schon in das 1. Jahrhundert (ab 70 oder sogar vor 62). Manche halten sogar eine apostolische Herkunft der Schrift für möglich.

Verfasser
Der Prolog gibt "Didymus Judas Thomas" als Autor an. "Didymus" ist das griechische, "Thomas" das aramäische Wort für Zwilling, so dass hier derselbe Name verdoppelt wurde.
Fraglich ist jedoch, ob der Verfasser wirklich diesen Namen trug oder einen Doppelnamen als Pseudonym wählte, um die im Text vertretene Lehre, die Einung mit dem Urgrund des Lichtes aus der Zweiheit, schon zu Beginn zu symbolisieren. Vielleicht wollte er damit bewusst auf die Apostel Judas und Thomas anspielen, die das Neue Testament als "Verräter" und "Zweifler" an Jesus darstellt. Das würde für eine spätere Entstehungszeit und eine bewusste Abgrenzung des Thomasevangeliums von der bereits kanonisierten Tradition sprechen. Sichere Anhaltspunkte dafür gibt es allerdings nicht.

Theologie
Jesus erscheint als der Lebendige, der Sohn des lebendigen Vaters, der Offenbarer, der den Jüngern das Geheimnis seiner - und ihrer - Herkunft mitteilt. Die Menschenwelt wird negativ beurteilt (Logion 56 und 80). Unser Heil, unsere Verbindung mit Gottes Reich, tritt ein mit einem inneren Vorgang, dem Selbstverständnis als Gotteskinder; dadurch eint sich unser Wesen mit dem im Himmel verbliebenen Abbild unserer selbst (Logien 3, 84 und 106).
Der Mensch ist, wenn auch "trunken", d. h. unwissend, doch göttlichen Ursprungs (Logion 3, 85 und 87), er ist nach göttlichem Bild geschaffen (Logion 50; vgl. auch Logion 83 und 84).
Das "Königreich" (das "Reich des Vaters" oder das "Reich des Himmels") ist ein Zentralbegriff des Thomasevangeliums. Dabei wird der Unterschied zu der Predigt Jesu in den drei ersten Evangelien deutlich: die eschatologische Ausrichtung auf die Zukunft fehlt fast völlig. Gewiß ist von "eingehen" oder "finden" die Rede, und zwar durchaus in zukünftigem Sinn. Aber diese Aussagen hängen eng mit der Aussage zusammen, daß der Jünger aus dem Reich stammt (Log. 49). Wichtig scheint nur die Gegenwärtigkeit des Reiches zu sein "(Log. 113)".
Es lassen sich kaum Spuren einer Gemeinschaftsbildung erkennen, und ekklesiologische Gedanken fehlen völlig. Der Zugang zum "Reich" wird den einzelnen, von dem Ruf Jesu Erreichten zugesagt. Es sind die "Kleinen", die "Einzelnen", die "Einsamen", die das "Reich" und damit die "Ruhe" erreichen.

Quelle(n): Wikipedia


                                                                                    

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